Über unsere Website, unsere Social Media Kanäle und Chat-Gruppen, mit Aushängen und einem kleinen Artikel auf der Oderland-Seite in der MOZ hatten wir am 18. Oktober 2025 zur Ausstellungseröffnung von „Über Brücken. Deutsch-Polnische Nachbarschaften“.
Die Fotoreportage „Über Brücken“ von Holger Herschel und Jürgen Danyel wurde als Partnerprojekt der Kulturerbe-Orte im Rahmen des Jahresthema „Nachbarschaft“ des Oderbruchmuseums aus dem Kulturmittelfonds der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Oderbruch gefördert. Wir – der Kultur- und Heimatverein Neurüdnitz e.V. – haben den Ausstellungsraum zur Verfügung gestellt. Und es kamen viele – und dank der vielen Neurüdnitzer Bäckerinnen gab es am Eröffnungswochenende ein Café mit einem opulenten Kuchenbuffet.
Der Fotograf Holger Herschel und der Historiker Jürgen Danyel über ihr Projekt:
„Brücken schaffen Verbindungen. Sie ermöglichen Übergänge zwischen Landschaften, Orten und Ländern. Menschen wechseln die Seiten und Ufer. Begegnungen und Nachbarschaft werden auf diese Weise möglich. Die Brücken über die Oder haben eine besondere Geschichte, in der sich wie in einem Brennglas das schwierige deutsch-polnische Verhältnis spiegelt. Sie tragen Spuren von Krieg, Flucht und Vertreibung, wurden zerstört, verschoben, wieder aufgebaut oder abgerissen. Sie waren und sind Teil einer Grenze mit entsprechenden Riten der Passage. In Zeiten der Entfremdung büßten sie ihre Funktion ein. Ihr Zustand und ihre Zugänglichkeit spiegelten jeweils Feindschaft, Gleichgültigkeit oder Freundschaft.
Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des Kommunismus wurden gerade die Brücken entlang der Oder zu Orten, an denen die neu gewonnene Freizügigkeit gefeiert und erlebt werden konnte. Ihre Öffnung oder Wiederinbetriebnahme wurde zum Symbol für neue Verbindungen im nun vereinten Europa.
Seitdem stehen die Brücken für einen Alltag grenzüberschreitender Mobilität, der für die Menschen in der Grenzregion zur Normalität geworden ist. Täglich passieren Hunderte polnische Pendler und Handwerksfirmen die Brücken in Küstrin-Kietz, Frankfurt (Oder) oder Hohenwutzen. Deutsche fahren regelmäßig zum Tanken, Einkaufen, zum Frisör- oder Arztbesuch nach Polen. Touristen und Urlauber erkunden die einzigartige Flusslandschaft auf beiden Seiten der Grenze. Trotz dieser Nähe und der wirtschaftlichen Verflechtung beider Länder erstaunt, wie wenig neue Brückenschläge es seit 1990 zwischen den beiden Ländern gegeben hat. Inzwischen lernen wir durch die neuerlichen Grenzkontrollen auf beiden Seiten, dass die gewonnene Freizügigkeit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern angesichts von Krisen und Konflikten verteidigt werden muss.
Im Frühjahr und Sommer 2025 haben wir uns auf den Weg gemacht, um die Brücken zwischen Deutschland und Polen in einer Fotoreportage als Orte alltäglicher Nachbarschaft zu dokumentieren. Uns haben nicht in erster Linie die Brückenbauten interessiert, sondern wir wollen mit dieser fotografischen Erkundungsreise die möglichen Begegnungen und den Austausch über die Grenze sichtbar machen. Wir haben uns für die Geschichten interessiert, die die Menschen mit dem Passieren der Brücken und dem damit einhergehenden kulturellen Seitenwechsel verbinden. Die Porträtaufnahmen und Texte in dieser Ausstellung verstehen wir als einen Beitrag zu einer noch zu schreibenden Mikrogeschichte deutsch-polnischer Nachbarschaft.“