Vier Personen weißen eine Decke in einem großen Raum
 

Wir trauern um Frank Bergemann

 

 

 

Frank Bergemann  (1963 - 2025) 
wurde Anfang der Sechzigerjahre im Wriezener Krankenhaus geboren, gelebt hat die Familie mit seinem Bruder Fred in Neureetz. Die ersten Schuljahre verbrachte er in Neurüdnitz und Neureetz, seinen Schulabschluss machte er in Altreetz, in der damaligen POS und heutigen Grundschule. Schon in dieser Zeit fing er an zu sammeln – Dinge mit Geschichten.

 

Er fuhr immer wieder zum damaligen Mühlenberg – eine Müllkippe zwischen Neureetz und Neurüdnitz. Dort standen früher drei Mühlen, später wurde der Hügel zur Deponie, heute befindet sich dort eine Photovoltaik-Anlage. „Hier habe ich meine erste Milchkanne gefunden. Mich haben solche Dinge einfach fasziniert. Alte Dinge, schöne Dinge, Dinge mit Geschichten. Die habe ich dann mit mitgenommen und in meinem Zimmer aufgestellt. Ich hatte ja kein Konzept oder so etwas, keine richtige Sammlung. Ich hatte nur Interesse und Neugierde... Ich wollte immer die Geschichte hinter den Dingen erfahren...“, so berichtete Frank Bergemann im Interview für den Band „Eigensinn“ zum Jahresthema 2021 des Oderbruchmuseums Altranft.

Frank Bergemann absolvierte eine Lehre als Mechaniker, arbeitete bis zur Wende beim LIW (Landtechnisches Instandsetzungswerk), schließlich bis zum Schluss bei ALBA in Wriezen. Seine Leidenschaft für die Dinge mit Geschichte blieb aber das Wichtigste: Von Ende der Siebzigerjahre bis in die Neunzigerjahre hinein sammelte er auf den Deponien, bekam von Alteingesessenen Fotos von ihren Vorfahren – und „... wenn die Leute dann gesehen haben, wie ich das gemacht habe mit Enthusiasmus und Sorgfalt, habe ich immer mehr Vertrauen bekommen und mir wurden auch Dinge auf Dauer ausgeliehen.“ Er wurde Mitglied im Geschichtsverein Altreetz. Das erste Mal stellte er einen Teil seiner Sammlung bei einem Dorffest in Neureetz aus, das sah Wilhelm Göttel, der damalige Neurüdnitzer Bürgermeister, und gab den Anstoß zur Neurüdnitzer Heimatstube. Sie wurde Frank Bergemanns „Lebenswerk“, wie er selbst sagte. Anfangs war es nur ein Raum im ehemaligen Konsum in der Dorfmitte, später, als auch der Kindergarten und der Friseur auszogen, konnten weitere Räume genutzt werden. Mit Hilfe von ABM-Maßnahmen wurden die Objekte erfasst, aber auch die Geschichten zu einzelnen Gebäuden und den Familien im Ort; die Sammlung fand ihre erste Ordnung. Dabei lernte er auch seine Frau Rita kennen und lieben – seither, über 25 Jahre, waren die beiden bis zum Schluss ganz eng verbunden.

 

Gesundheitlich ging es Frank Bergemann in der letzten Zeit nicht so gut, aber das verdrängte er, weil es seiner geliebten Frau noch schlechter ging und er sich um sie sorgte und für sie da sein wollte. In der Heimatstube konnte er nicht mehr so oft sein, wie er eigentlich wollte, aber er war bereit dazu, sein Wissen weiterzugeben und die Geschichten hinter den Dingen zu erzählen. Ein Audioprojekt des Kultur- und Heimatvereins Neurüdnitz war in Planung. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Am 29. Januar 2025 ist Frank Bergemann, der Bürger des Jahres 1995, ganz plötzlich, unerwartet und viel zu früh verstorben. 

 

Auch wenn wir seine Arbeit fortsetzen werden: Der Chronist der Dinge fehlt.

 

Zitate aus: „Die Geschichte hinter den Dingen. Frank Bergemann, Wriezen“, aufgeschrieben von Alex Schirmer, erschienen im Aufland Werkstattbuch 6 zum Jahresthema 2021„Eigensinn“ der Oderbruchmuseums Altranft, Aufland Verlag 2022.

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Veröffentlichung

Mo, 17. März 2025

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