Neurüdnitz entstand ab 1754 nach der Trockenlegung des Oderbruchs auf der Feldmark des Altdorfes Rüdnitz, heute auf der anderen Seite der Oder zu Polengehörig (Stara Rudnica), und wurde wegen des Siebenjährigen Krieges verzögert erst 1762 fertig gestellt.
Die Anlage folgt als zweizeiliges Straßendorf dem mehrfach gebogenen Verlauf eines Flüsschens („Schneller Strom"), das gleichzeitig zum Schachtgraben wurde. Anders als viele nach der Oderbegradigung entstandene Neudörfer ist der Straßenverlauf daher nicht schnurgerade. An beiden Seiten des späteren Angers fanden 69 Familien auf den Siedlungshügeln teilweise in Doppelhäusern Platz. Das Land fiel erst über einen längeren Zeitraum wirklich trocken. 1763 wurden insgesamt 306 Bewohner gezählt, die aus dem Westen und Süden Deutschlands hier eine neue Heimat gefunden hatten.
Im Ortsteil Bienenwerder Richtung Oder entstand 1754 das erste Rittergut des Oderbruchs. Am Ausbau Spitz (kurz vor dem Oderhauptdeich gelegen) entstanden 1948 Neusiedlerhöfe für 13 Familien. Durch Flüchtlingsfamilien aus den früheren deutschen Gebieten jenseits der Oder stieg die Einwohnerzahl zeitweilig auf über 500 an. Von 1758 bis 1981 existierte eine Dorfschule im Zentrum des Oberdorfes. Das Gebäude wurde anschließend bis 1995 als Kindergarten genutzt.
Ende des 19. Jhd. entwickelte sich das Dorf zum Handwerker- und Dienstleistungszentrum für die umliegenden Dörfer und verfügte über vier Kolonialwarenläden und drei Gaststätten. Die 1897 angelegte Eisenbahnstrecke von Wriezen nach Jädickendorf (heute: Godków in Polen) mit dem Bahnhof weit außerhalb Richtung Zäckericker Loose stellte den Anschluss zur ehemaligen Kreisstadt Königsberg/Neumark (heute Chojna) her und begünstigte die florierende Entwicklung hauptsächlich durch Gänsemast und Tabakanbau. 1982 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt. Nunmehr wird der alte Bahndamm seit 2004 als Fahrradweg genutzt.
1922 zog der Fortschritt in Neurüdnitz ein und alle Haushalte konnten mit einem Stromanschluss versorgt werden. Zum Schutz vor Bränden gründete sich 1946 die noch heute ansässige Feuerwehr, 1993 wurde diese um die Jugendfeuerwehr erweitert. Die Dorfstraße wurde 1964/65 neuangelegt, vorher führte nur ein unbefestigter Weg durchs Dorf.
Der Friedhof am südlichen Ortsrand ist wegen der ungewöhnlich langen Reihe aufwändig gestalteter Wandgrabmäler einen Besuch wert. Wenige Meter weiter befindet sich die Friedenseiche, welche am 20.03.2000 gepflanzt und 5 Tage darauf geweiht wurde.
Wie alle Oderbruchdörfer ist auch Neurüdnitz nicht vor dem Wasser gefeit. Überflutungen des Dorfes waren insbesondere 1838 und 1947 bezeichnend. 1940 und 1997 musste das Dorf aufgrund von Hochwasser komplett evakuiert werden, glücklicherweise ohne feuchte Füße zu bekommen. Doch auch im Winter, wie bspw. in den Jahren 1982 und 2010, können die Wassermengen und das Eis beängstigend wirken.